"Ich will ja niemandem zur Last fallen": Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Ökonomisierung im Bestattungswesen

"Ich will ja niemandem zur Last fallen": Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Ökonomisierung im Bestattungswesen

Eigenschaften von "Ich will ja niemandem zur Last fallen": Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Ökonomisierung im Bestattungswesen:

Bachelorarbeit aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Sozialwissenschaften allgemein, Note: 1,3, Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover (Institut für Soziologie), Sprache: Deutsch, Abstract: Der Verfasser greift mit dem Konzept der "Ökonomisierung" einen Umbruch in der Bestattungskultur auf, den er selbst aus erster Hand beobachtete - Sven Friedrich Cordes arbeitet in einem Bestattungsunternehmen bei Hannover - und dessen konkrete Ausprägung als Discount-, Sozialamts- und Ordnungsamtbestattung bisher sozialwissenschaftlich kaum thematisiert wurde. Mit seiner genauen Kenntnis der rechtlichen, bürokratischen und sozialen Rahmenbedingungen will Sven Cordes die Vorbehalte bisheriger Forschungen gegen den "Werteverfall" relativieren. Dabei gelingt es ihm, die Heraufkunft ökonomischer Erwägungen bei den Hinterbliebenen und bei den Lebenden, die nach ihrem Tod "niemandem zur Last fallen" wollen, zeitgeschichtlich plausibel zu machen und zu zeigen, wie daran der Rückzug der Versicherung - Streichung des Sterbegeldes im Jahr 2004 - beteiligt ist.

Die Arbeit (53 Seiten Text, 7 Seiten Literatur, umfängliche Dokumentation zu Friedhofsgebühren und Bestattungskosten im Anhang) schlägt einen grossen Bogen: einleitend beschreibt er Stationen vom mittelalterlichen Kirchhof bis zur in den letzten Jahrzehnten wachsenden Tendenz, Bestattungen zu anonymisieren, um dann im Hauptteil die faktische Rechenhaftigkeit der Institutionen und Behörden mit Discountbestattungsangeboten und behördlich geregelten Sozial- und Ordnungsamtsbestattungen in der Tiefe auszubreiten und die Gründe für die "Wahl" einer Bestattung im nicht gekennzeichneten Urnengrab zu beschreiben. Mehrere Einsichten werden herausgearbeitet, insbesondere betont Cordes den Schwund "christlich geprägter Konventionen und eine Zunahme von (...) vernunftbasierten Handlungselementen", welche die Bestattungsart als Wahl zwischen "Optionen" nahelegen. Cordes achtet aber vor allem auf die Zwänge, die von seiten der Behörden ausgeübt werden, wenn diese die Kosten übernehmen: sie erlauben mitnichten eine "Wahl" der Angehörigen. Auch wird deutlich, dass der gesamte Hintergrund des Bestattungswesens neu strukturiert wurde, insofern die Einnahmen der Friedhöfe durch den "sinkenden Flächenbedarf" zurückgehen oder die Krematorien in den 1990er Jahren privatisiert wurden. "Ökonomisierung" zeigt sich als Einzug von Kostenberechnung, Preisvergleich und Suche nach "Einsparmöglichkeiten" im Falle des Todes ebenso wie als "Richtungswechsel der postmortalen Fremdbestimmung", insofern nun die noch lebende, zukünftige Leiche über ihre Bestattungsart, auch anonymer Weise verfügt.

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